Lektor und Ghostwriter für Buchmanuskripte und andere Texte

23.04.2014

Ausbildung zum Ghostwriter

 

Gibt es eine Ausbildung zum Ghostwriter? Sicher gibt es Kurse. Allenfalls gewähren sie Einblicke in die Arbeit. Inspiration ist ein guter Anfang.Kein Buch ist wie das andere. Jeder Stoff wird neu entwickelt. Der Ghostwriter muss selbst immer wieder Hürden nehmen. Daran kann er durchaus scheitern. Manchmal nimmt er Umwege, die er am Schreibtisch eruiert.

Zum Ghostwriting gehören das überdurchschnittlich gute Sprachgefühl und perfekte Kenntnisse der korrekten Rechtschreibung. Damit ist es nicht getan. Der Ghostwriter sollte über eine überdurchschnittlich gute Allgemeinbildung verfügen. Er ist als Handwerker und Denker nicht Literaturagent oder Verlagsmanager.

Vergleicht man das Schreiben eines Buches mit der Fahrt auf der Autobahn, gibt es Abfahrten, die der Autor nehmen sollte. Verwirrende lässt er unbeachtet hinter sich.

Fakten überprüfen

Der Ghostwriter achtet auf notwendige Brüche, die zur Geschichte gehören. Wer schreibt, traut Vorgaben nicht. Es ist besser, im Lexikon nachzuschlagen, Google Maps zu aktivieren, wegen einer Metapher in einem Märchen nachzuschlagen, den Fahrplan der Schweizerischen Bundesbahn von 1991 zu erkunden. Sind Protagonisten 1981 in einem Interregio unterwegs gewesen, oder wurde der Zug nicht viel später so benannt? Heißt der Wolfgang Petry oder Wolfgang Petri?

Der Ghostwriter muss zu seinem eigenen Text Distanz wahren können. Notwendig ist die überdurchschnittlich gute Konzentrationsfähigkeit, über Stunden, Tage, Wochen hinweg, zu jeder Tageszeit. Denn Nachtarbeit kommt vor.

Keine Kunst: Interessen wahren

Die Interessen des Auftraggebers müssen gewahrt bleiben. Einerseits hat der Auftraggeber einen Ghostwriter wegen dessen Distanz und Fertigkeiten gesucht und gefunden. Zurecht sollen Sachthemen und Lebensgeschichten exakt abgebildet sein. Ein Ghostwriter schreibt nicht gegen Auftraggeber und für seine Sicht der Dinge.

Die scheinbare Banalität prägt übrigens Geschichten. Eigene Lebenserfahrung ist nicht schlecht, um nicht in den Sprachduktus von 1970 zu verfallen, wenn sich zwei Mädchen 2006 über die Last des Schulalltages zu unterhalten. Die Kurkarte ist nicht der Tagesplan der Klinik.

Fleiß

Also leiden einige Bücher am fehlenden Fleiß. Die Idee war gut, der Autor intelligent. Wer ein Buch liest und sich ausgeschlossen fühlt, wirft es weg. Dagegen schreibt der Ghostwriter genauso engagiert für den Leser wie für den Auftraggeber.

Eine formale Ausbildung sollte es nicht geben. Der Ghostwriter ist wie jeder andere zeitlebens dafür verantwortlich, was er sich selbst vertraut gemacht hat. Am Ende überlässt er ohne schlechtes Gewissen seine geistige Leistung diskret dem Auftraggeber, dessen Idee der Anfang und dessen Identifikation mit dem Manuskript das Ende ist.

Menschlichkeit und Selbstverständnis

Grenzen gehören zur Arbeit. Ein Ghostwriter sollte nicht für jeden alles schreiben. Es ist unanständig, über Menschen aus anderen Kulturen zu hetzen oder der einzige große Leuchtturm über den Schwachen sein zu wollen. Aufklärer können ziemlich lästig sein. Das gibt dem Buch etwas, was nicht durch das Nachschlagen zu kriegen ist: Haltung.