21.01.2019

Kurzgeschichte. Bewerbung bei La Mitrailleuse

 

Straßencafé, Viktoria-Luise-Platz, 10777 Berlin-Schöneberg:

Der arme junge Mann hatte sich schick gemacht. Das hellblaue Hemd wirkte neu. Doch die schwarze, glänzende Hose stammte aus einer Zeit, in der das Übergewicht erfolgreich überwunden wurde. Da saß er in Berlin-Schöneberg dem dynamischen Aktionisten gegenüber. Die Mai-Sonne machte glücklich und zufrieden. Die Gesichter wollten die Wärme aufsaugen, um sie in den kleinen Zeh zu drängen.

Leidenschaft

Tag der ArbeitDie Autos waren akkurat geparkt, mit der Schnauze zur Wand. Da stand schwach der schwarze Kleinwagen mit den zwei weißen Buchstaben auf den Türen, die sich gedanklich am Nebentisch so durchspielen ließen: Leidenschaft und Reinheit.

Abgesehen davon, dass die Leidenschaft den Bewerber im Blick hatte, machte sie ihm durch reine Pausenlosigkeit klar, dass sie sich für den Bewerber nicht interessiere: „Mit welchen Erwartungen bist Du zu diesem Bewerbungsgespräch gekommen?“ Die Stimme der Leidenschaft klang wie Blech. Ihr Gesicht war faltenlos. Morgen für Morgen renne sie im Kreis durch den Volkspark. Sie kenne ihr Ziel!

La Mitrailleuse

Ruthlein würde sich an ihre unermüdlich redende Bekannte in Frankreichs Süden bei Perpignan errinnern, die sie „Madame Maschinengewehr“ nennt, „La Mitrailleuse“.

Claudia hat ein Team

Nun erfuhr der Gebügelte, dass es noch andere gäbe, die mehr auf dem „Kasten“ hätten als die Leidenschaft. Der Gebügelte werde für eine Provision arbeiten dürfen, damit das drittklassige Parfum in diesem Sommer erstklassig durch die sonnige Stadt Berlin getragen wird. Die große Mission hat ihren Wert, der sich nicht mit dem Gedanken an den Mindestlohn vertrage. Diese Art von Wollust ward dem Wurm gegeben. Der Kleine werde Duftmarken setzen können, obwohl Claudia und ihr Team im vergangenen Jahr bereits 1 880 Punkte gemacht hätten.

Der Steuermann hält die Wacht

Der Leidenschaftliche sei Steuermann und halte die Wacht. Trotzdem werde der matte Junge Schwimmflügel tragen, die Claudia längst nicht mehr brauche. Zudem treibe man in flachen Gewässern. Der Hoffnungsvolle erbebt da endlich kehlig: „Halt´ doch ´mal die Klappe!“ Es fehlt der Applaus der Großstadt.

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