23.09.2019

Biafra im Café Kranzler

 

Der belebende Kaffeeduft ist nicht gerade das, was die beiden Damen ins Café Kranzler am Kurfürstendamm 18 gezogen hat. Eine trägt ein luftiges Sommerkleidchen. Schlank und rank ist sie.

Ihre gute Berliner Freundin sieht dagegen ganz anders aus.

Ihr Toilettenfehler besteht darin, zuhause in Wilmersdorf einen breiten Gurt um die Hüften gelegt zu haben. Beide Heroen scheinen älter als 70 zu sein. Doch läßt sich das heute nicht einmal vom Nebentisch treffsicher erkennen. Wonnig ist Berlin nicht nur in der Sommerzeit.

Frau mit Gurt will Kuchen essen, jede Menge, noch lebenslang.

Deshalb blafft sie kraftvoll ihre dagegen filigrane Begleitung an: „Nur weil Du Dich mal zwei Tage lang jung gefühlt hast, ruinierst Du Dir Dein Leben seit 100 Jahren.“ Der Berliner verliert die Ruhe nicht? „Du siehst doch aus wie eine aus Biafra!“

Die Kräftige bestellt im Café Kranzler gleich drei Stück Kuchen, runiniert sich mit dem Kaffee das grüngepunktete Kleid, lacht und redet laut mit breitestem Berliner Akzent. Ihre feinsinnige Freundin sitzt beim Tee und schämt sich für die Lebenslust bei Ananas und Kirsche: „Watt is denn Biafra, Uschi?“