21.01.2019

Das Wunder am Geldautomaten der Berliner Sparkasse

 

Um 16.00 Uhr traf ich Dirk zufällig am Geldautomaten. Daraus ergeben sich weitere Überlegungen. Hier gebe ich die Antwort, dass das Leben doch recht einfach ist, wenn man keine Wissenschaft hat … Es kommt, wie es kommt.

Zum Geleit, weil sich dieses Beispiel später allein erklärt: 1997 traf ich Michael an einem New Yorker Strand, in Coney Island … Ich will das weder mathematisch noch statistisch ausführen. Ohnehin wird klar werden, dass ich von Mathematik keine Ahnung habe.

Statistik in BerlinIch habe ein wesentlich einfacheres Beispiel als die Begegnung zweier Menschen an einem Platz Tausende Meilen entfernt. Ich traf Dirk am Nachmittag am Geldautomaten, was rechnerisch hätte niemals passieren dürfen. Es passierte. Das klingt nicht nach einem aufregenden Krimi. Bis hier her.

Zur Geschichte der Begegnung am Geldautomaten:

Bei 1 aus 49 ergibt sich halbwegs die Wahrscheinlichkeit, dass man die Kombination im Lotto trifft, also die richtigen Lottozahlen. Hier werden sogar sieben Möglichkeiten berücksichtigt. Also liegt die Wahrscheinlichkeit deutlich darüber (1 zu 13 Millionen), wenn man nur eine Zahl treffen müsste. Es müssen sich sieben Faktoren gleichzeitig treffen.

Das ist komplizierter, als würden sich nur zwei zufällig treffen. Beim Lotto indessen ist egal, wer sich da trifft. Sieben Kreuze reichen. Ich spiele kein Lotto, würde aber die 24 (Geburtstag) nehmen, die 2 (Hausnummer), die 1 (Geburtsmonat) und mich womöglich in Stückelung um die Postleitzahl 10715 bemühen: um die 10, die 15, die 11, die 17, vielleicht auch um die Quersumme 14. Schon habe ich sieben Zahlen.

Als Spieler hat man also völlig ohne Plan darauf gesetzt, dass ausgerechnet diese Sieben (sechs mit Zusatzzahl) sich treffen. Dafür bekomme ich hoffentlich Millionen.

Dass wir uns am Geldautomaten in einer Großstadt getroffen haben, bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit bei 1 zu 3 500 Millionen hoch 3 500 Millionen liegt, also im Billionenbereich. Das ist die einfache Kombination. Müssten sich sieben Leute gleichzeitig und zufällig treffen, hätte diese Geschichte keinen Platz mehr für die Zahl der Wahrscheinlichkeit 1 zu … Es haben sich nur zwei getroffen.

Man kann eingrenzen nach günstigen Fällen.

Eingegrenzt auf Wilmersdorf/Schöneberg mit etwa 400 000 hoch 400 000 ergibt 1 zu 16 Milliarden … Selbst wenn man den Umkreis zwischen Innsbrucker Platz und Bundesallee, also die beiden Geldautomaten der Berliner Sparkasse, die üblicherweise genutzt werden, berücksichtigt, kommt man womöglich auf eine Population von 100 000 Menschen, die in diesem Areal wohnen, wenn man vom Innsbrucker Platz zum Beispiel die Badensche Straße nimmt.

Auch dann hätte die Wahrscheinlichkeit bei 100 000 hoch 100 000 liegen können, also bei 10 Milliarden Begegnungsmöglichkeiten in diesem Areal, wobei jeder jeden mindestens einmal treffen kann – und die Hochzahl insofern nur hypothetisch ist. Nicht unruhig werden! Der Zufall ist nicht berechenbar.

Die Statistik versucht es und redet deshalb von der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Denn sicher ist sie nicht, hält es für sehr wahrscheinlich. Methodisch sagt die Wissenschaft lapidar: Wenn sich jeder einmal getroffen hat, sind die beiden darunter.

Methodiker und Statistiker sind alle Optimisten. Wir multiplizieren nicht, weil sich die Leute öfter als gedacht, also statt einmal, treffen könnten. Da kommt die Hochrechnung ins Spiel. Sie geht vom Maximum aus.

Jeder in Berlin trifft einen 3,5 Millionen Mal. Das wäre in der Tat lästig. Dann sollte man am besten zusammenziehen, um sich wenigstens 20 Mal pro Tag in, sagen wir, 40 Jahren zu treffen, woraus eine verhältnismäßig läppische Zahl wird. Statistisch lohnt es sich doch nicht, mit jemandem zusammenzuziehen, den man öfter trifft als gedacht. Das ist nicht imposant genug.

Die Stadt. Bei 3,5 Millionen hoch 3,5 Millionen ergibt sich 1 zu 12,25 Billionen. Im Grunde hätten wir uns mathematisch gar nicht am Geldautomaten zufällig treffen dürfen.

Viel einfacher gesagt: Wohnt jemand am Friedrich-Wilhelm-Platz, würden wir ihn statistisch nie treffen, obwohl der Platz nur 750 Meter entfernt liegt.

Hier kommen die Philosophen ins Spiel. Aus der Philosophie entsteht die Religion. Weil das Rechenbeispiel so unfassbar ist, redet die Ökoschnalle plötzlich von Gott. Das ist der Beweis. Es muss einen geben. Er hat geführt. Es gibt einen höheren Plan und einen neuen Papst …

Die Philosophen meinen, dass die Menge das Chaos ausmacht, in der es eine Ordnung gibt, was die Statistiker gut finden. Sie haben eine Zahl … 1 zu … Doch im Chaos liegt auch das Nichts, weil man sich genauso gut auch nicht hätte treffen können. Schon sind wir nicht mehr bei Gott, weil Heidegger sagte, im Sein des Seienden nichtet das Nichts. Bei allen Kombinationen gibt es trotzdem die Unwahrscheinlichkeit, sich am Geldautomaten zu treffen.

Vielleicht hätte sich Dirk spontan entschieden, kurz noch nach Prenzlauer Berg zu fahren oder nach Hause zu Vater und Mutter. Das wäre mathematisch kompliziert geworden, weil man womöglich alle Bahnfahrer eines Tages in Deutschland hätte kombinieren müssen – nach Teilstrecken, Zu- und Ausstiegen, Routen in Berlin und Hameln/Höfingen usw.

Auch denen, die geplant haben … So muss man die Begegnung von mir und Michael in New York sehen, Stadtbevölkerungen, Flugkombinationen, U-Bahn-Nutzungen in NYC, Strandbesucher, Touristenströme. Sicher gibt es keinen Computer, der erklären kann, warum ich Michael, den Doktor Muschelwerfer, damals in New York traf.

Das Wunder am Geldautomat. Dann wäre aus dem Essen anschließend im „Roma“ nichts geworden … Ich war also da (im Sein des Seienden, weil ich Hunger hatte), aber ich wäre womöglich zehn Minuten früher allein wieder zurückgegangen (nichtet das Nichts). Der große Philosoph Heidegger hat also recht. Man muss immer damit rechnen, dass man für verrückt erklärt wird, wenn man sagt: Wenn ich jetzt zum Geldautomaten gehe, treffe ich Dirk ohne Absprache und gehe mit ihm essen.

Statistisch wird sich diese Geschichte nicht wiederholen. Aber wenn die Ökoschnalle doch recht haben sollte, kann man sich nicht wehren, weil man so verwirrt ist wie sie.

Dabei ging es doch nur um Euros. Und das Essen war wirklich lecker … Dafür braucht man keinen Gott, sondern nur einen Koch. Wie hoch ist übrigens die Wahrscheinlichkeit, einen italienischen Koch, der göttlich gut ist, in Berlin zu treffen, dessen Essen man mindestens 30 Mal genossen hat? Fangen wir also an, darüber nachzudenken, unter Berücksichtigung welcher Kombinationen ich zum ersten Mal dort war …

 

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