18.03.2019

Reiseberichte und Briefe an Kinder: Ägypten

 

Mein lieber Neffe,

heute berichte ich aus Ägypten. Man hört allerlei aus Ägypten. Wenn man an der Nordsee auf ein Schiff geht, dann ist man in einer Woche dort. Diesmal fährt man nicht um Afrika rum. Ägypten ist näher als man glaubt. Deswegen sollten wir beide nach Ägypten fahren.

Früher hat man in Ägypten ganz wichtige Leute gehabt. Die hießen nicht Robin, nicht Collin. Nein. Die hießen doch tatsächlich Pharao. Eigentlich war das ein dummer Name. Pharao heißt so etwas wie „Grosses Haus“. Ein blöder Name. Du wirst als Robin geboren, später sagen die über Dich: „Das kommt das große.“ Die Leute knien sich da vor Dir hin, wenn Du in Ägypten spazieren gehst. Die werfen sich sogar in den Dreck. Keiner guckt Dich an. So sind die, wenn die einen Pharao sehen. Dann denkst Du, die können Dich nicht leiden. Aber: Du bist ja ein König. Da wird man furchtbar einsam. Keiner spielt mit einem. König zu sein, ist ziemlich blöd. Das haben die Pharaonen früh gemerkt. Und inzwischen will kaum noch einer Pharao sein. Das ist der Grund, warum es keine mehr gibt.

Was ja wirklich schön ist, das sind die Kamele. Eigentlich sind das dumme Tiere. Die stehen den ganzen Tag herum und glotzen. Deswegen sagt man oft zu anderen Leuten, um sie zu ärgern: „Du dummes Kamel.“ Dann wissen alle, was gemeint ist, wenn jemand den ganzen Tag nur herumsteht und einfach nichts versteht.

Ich würde ja mal eine Nadel nehmen. Denn die Kamele haben zwei Höcker. Da ist dann immer das Wasser drin, wenn die blöd durch die Wüste laufen. Wenn man da rein sticht, dann laufen die Kamele aus und sind pitschnass. Probiert habe ich das noch nicht. Wir müssen das einmal ausprobieren und gucken, dass wir ein Kamel erwischen, um es leer zu machen. Wann fahren wir nach Ägypten?

In Ägypten ist sonst nicht viel los. Deswegen beschäftigen sich die Leute ein bisschen und bauen und bauen und bauen. Am besten können die Pyramiden bauen. Weil die ja so viel Zeit haben, kann das mal 30 oder 50 Jahre dauern, bis die damit fertig sind. Holz wäre natürlich viel besser. Die Ägypter nehmen aber besonders große Steine, die kaum einer tragen kann, damit das auch wirklich lange dauert. Dann schleppen die die Steine ganz weit nach oben, damit die Pyramide eine echte Spitze kriegt. Die bauen die Pyramiden so, dass man natürlich wie auf einer Treppe rings herum bis nach oben gehen kann. Von dort sieht man viele andere Pyramiden, aber auch die Wüste. Mann, ist man kaputt, wenn man oben angekommen ist. Da setzt man sich erst einmal hin und trinkt einen großen Schluck aus der Wasserflasche.

Die Wüste ist wohl der größte Sandkasten der Welt. Viel kann man da aber nicht machen. Wenn Du mit Wasser spielen willst, ist das Wasser gleich weg. Denn der Sand ist ja ganz heiß. Dann zischt es, und der Sand ist wieder trocken. Deshalb wachsen in der Wüste auch keine Bäume. Eigentlich! Nur die paar Palmen, die es da gibt, brauchen ganz wenig Wasser. Alle paar Jahre regnet es mal. Dann saugen die das besser auf, um lange davon leben zu können.  So sehen die Palmen auch aus. Und die geben trotzdem Früchte, die ganz trocken sind. Datteln nennt man die. Schmecken komisch, sollte jedes Kind aber mindestens einmal im Leben probieren, um selber zu entscheiden, ob die gut oder schlecht schmecken.

Frag´ am besten einmal Deine Mutter, ob sie Dir eine Dattel kaufen kann. Denk daran, dass sie nur eine Dattel von einer ägyptischen Palme kaufen soll. Vorschlag: Dann holt´ auch noch ein bisschen Salz, aber nur solches aus Australien. Oder hast Du das vergessen?

Das Lustige ist auch, dass der Ägypter auf den Straßen ohne Licht fährt. Das habe ich selbst  gesehen. Die Luft ist da so klar, dass selbst kleines Mondlicht ausreicht, um weit gucken zu können. Also schalten die in der Wüste ihre Scheinwerfer auf den wenigen Straße nicht ein.

Seit einiger Zeit wird in Ägypten überlegt, ob man nicht die Fernseher verschenken sollte. Vielleicht freuen sich die armen schwarzen Kinder darüber. Aber warum sollen die Fernsehen gucken, wenn die gar keine Tierfilme brauchen? Die Schwarzen schicken die Fernseher bestimmt wieder zurück. Die Kinder in Afrika haben überall ihre Tiere. Nur bei den Giraffen guckt man lieber Fernsehen. Man muss sonst immer so weit nach oben gucken und dann tut einem vielleicht der Hals weh.

Also die schwarzen Kinder gucken Giraffen nur im Fernsehen.

ÄgyptenIn Ägypten also braucht man keinen Fernseher. Da ist ja die Luft ganz klar. Deshalb spiegelt sich ganz viel in der Luft. Das ist fast so wie im Badezimmer, wenn man in den Spiegel guckt. Wen siehst Du denn dann? Die Luft in Ägypten ist wie ein riesiger Spiegel. 1000 Mal größer als Dein Dorf. Wenn also ein paar Hundert Kilometer weiter die dummen Kamele herumstehen, kann man das in der Luft sehen. Das nennt man Fata Morgana. Man sieht natürlich nicht nur die Kamele, sondern manchmal auch Schlösser, Autos oder Leute.

Der Ägypter weiß eigentlich gar nicht, ob die wirklich da sind oder nicht. Also spricht er am besten mit den Leuten der Fata Morgana nicht. Bevor Deine Mama eine Fata Morgana ist, gebe ihr lieber einen Kuss. Wenn Mama nicht zurück küsst, dann ist sie eine Mama Morgana.

Tut sie es doch, kannst Du sie weiterhin Mama nennen.

Schon langweilig, in Ägypten zu leben. Da baut man lieber Pyramiden. Und wenn die einmal fertig sind, haben die gleich ganz komische Gänge drinnen gebaut, damit sich keiner zurecht findet.

Der Pharao hat da dann ein Zimmer. Es soll keiner zu ihm kommen. Der Pharao nämlich hat bei sich viele Schätze liegen: goldene Ringe, teure Krüge, große Kisten mit wertvollen Münzen. Eins ist schon mal ganz gut: Dumm wie die Kamele sind, finden die erst einmal nicht da rein. Und andererseits wissen die ja auch gar nicht, was die mit den Schätzen machen sollen. Dabei müsste doch jedes dumme Kamel wissen, dass man mit den Schätzen, wenn man sie verkauft, schön Urlaub machen kann, zum Beispiel an der Nordsee. Jetzt kannst Du bestimmt viel besser verstehen, warum man an der Nordsee nie Kamele sieht. Manche Kamele verlaufen sich und wissen gar nicht, wo sie sind. So kommen sie in den Zoo, stehen da herum und fragen sich ständig, warum die Kinder dauernd gucken. Die Kamele überlegen oft Jahre lang. So lange sind sie dann im Zoo und kauen Blätter, weil sie meinen, dann kann man besser denken. Ist aber Quatsch.

Mehr kann ich Dir über Ägypten nicht schreiben. Da ist einfach nichts los. Beim nächsten Mal schreibe ich Dir am besten etwas über die großen Städte, wo wirklich etwas los ist. Da reißen die blöden Jugendlichen auf ihren Motorrädern während der Fahrt alten, armen Frauen einfach so die Handtaschen weg. Eigentlich müsste man sagen: „Ab nach Australien“, weil früher alle Verbrecher nach Australien geschickt wurden, wenn sie böse waren.