17.09.2019

Trauer hat viele Gesichter

 

In Rixdorf ist Musike …

Als wir Jungs damals in Eschweiler-Dürwiß partout nicht diesen Gurkensalat essen wollten, blieb Mutter Cornelia S. pädagogisch entschieden. So vergingen der Nachmittag und der Abend und endlich auch der Gurkensalat. Über dem Küchentisch mit der abwaschbaren Tischdecke prangte der Heiland mit dem Sinnspruch: „Immer wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her!“

Gottvertrauen

MitgefühlWir drei Kinder haben den Kampf gegen Mutters Willen mit trotziger Entschiedenheit quittiert: Wir konnten widerstehen.

Einige Jahrzehnte später sitzt dieser Mann seit ewigen drei Tagen in Berlin an der Theke der Kneipe und ist ebenso lange Witwer. Beatrice hat nichts dagegen, wenn man sie eine Büronudel nennt. Lieblingskollege Micha sagt über Beatrice: Erzählt man ihr vom Tod der eigenen Mutter, wird Beatrice ein Angebot des MEDIA-Marktes preisen. Sie ist das Licht am Ende des Tunnels, wenn Du glaubst, es geht nicht mehr.

Wärme

Der Mann neben ihr wurde 1964 geboren. Morgen, am Freitag und am Samstag werde er andere Frauen treffen. Es müsse weitergehen. Die Beerdigung der Anvertrauten finde übernächste Woche statt. Die Schwiegermutter liegt im Gipsbett.

Verzweiflung hat viele Gesichter. Eins ist das des Ertragens.

Leere

Beatrice befindet sich nicht in der Reihe der Optionen für die kommenden Tage, die Wärme spenden sollen. Ihr laufen die Männer zu schnell weg. Der Mann murmelt tränenerstickt. Er will nicht mehr reden, schon gar nicht über Frauen. Das Portemonnaie des Mannes ist auch noch leer wie das Herz.

Beatrice bestellt vergnügt zwei Bier und zeigt den runden Buckel eines Stubentigers vor dem Sprung, nicht der Abwehr: „Und? Wie habt Ihr Euch kennengelernt?“