17.12.2018

Ghostwriter: Was schreibt er nicht?

 

Die Hoffnungen, die mit einem Manuskript verbunden sind, sind zuweilen realitätsfern. Es dauert sehr lange, bis sich ein Verlag für den Text interessiert.

Ist dieses Glück eingetroffen, sind die Auflagen der Bücher sehr klein. Verlage sind wirtschaftlich denkende Unternehmen. Für die Biografien von Privatpersonen gibt es einen nur sehr kleinen Markt, wenn Autoren selbst keine Kosten tragen wollen, die die Veröffentlichung betreffen. Einige Verlage lassen sich für die Veröffentlichung als Buch gut bezahlen. Die Exemplare der Werke stehen am Ende unbeachtet in den Regalen einiger Buchhandlungen.

Zum Erfolg gehört sehr viel Werbung, die von Experten vorgenommen werden muss. Was nutzt das beste Buch, wenn es keiner beachtet? Große Verlage, die selbst alle Risiken tragen, haben ihr eigenes Interesse am Absatz von Qualität.

Auch das interessanteste Leben steht in großer Konkurrenz mit vielen anderen Biografien auf der Welt. Dennoch erreichen mich viel Anfragen. Wenn ein Buch erscheint, so wird gemeint, winken Ruhm und Reichtum.

Der Traum vom Ruhm

Allein in Deutschland erscheinen jährlich Zehntausende von Büchern. Ein winziger Teil dieser Bücher ist erfolgreich und deckt nicht einmal die Kosten für den Ghostwriter, wenn es einen gegeben hat. Der arbeitet meist drei bis vier Monate lang an dem Manuskript, nicht nur acht Stunden pro Tag, nicht nur von Montag bis Freitag.

Darauf sind die Preise ausgerichtet. Ich verstehe mich nicht als Geschäftsmann, obwohl ich wegen der Kalkulationen und Rechnungen einer sein muss. Doch dreht sich nichts darum, wenn ich schreibe. Der Auftraggeber kann bei mir das Bruttogehalt eines Studienrates veranschlagen. Manchmal liegt der Stundenlohn bei drei oder vier Euro. Die gesamte Summe ist dennoch für Privatleute oftmals nicht erschwinglich. Sie steuern sich ins Unglück, wenn sie glauben, dass sie mit einem Manuskript sehr bald auf einer finanziell sicheren Basis leben könnten.

Ein Buchmanuskript vom Ghostwriter muss nicht das goldene Tor in die Zufriedenheit sein. Es kostet Geld und löst die Ungewissheit nicht auf. Es gibt viele andere Möglichkeiten, sicher glücklich zu werden. Dafür braucht man kein Buch.

Seriös sein

Ich erinnere mich an den Anruf einer Dame aus Hessen, die zwei kleine Kinder hat, sich kaum etwas leisten kann. Ihr Mann bezahlte nach der Scheidung eine kleine Summe. Die Mutter hat seit Jahren keinen Urlaub gemacht. Die Kinder lebten in Armut. Behutsam habe ich der Frau erklärt, dass ich mich weigere, diesen Auftrag anzunehmen. Sie solle ihre Idee nicht weiter verfolgen.

Als Ghostwriter will ich nicht für die Not Anderer verantwortlich sein, wenn ich weiß, dass die Aussichten auf die Veröffentlichung einer privaten Biografie nicht gut sind. Es sollte um die Chronologie, einen Lebenslauf gehen. Ich sah keinen Markt. Die persönliche Not der freundlichen Frau würde ich mit einer Rechnung verstärken. Es gibt moralische Grenzen, die ich einhalte. Schön: Sie war erleichtert. Beratung ist gut.

Es gibt viele Beispiele, warum ich Aufträge ablehne. Ich könnte Geld verdienen. Doch schön ist diese Art nicht. Lieber lehne ich ab. Doch immer gebe ich Erläuterungen, von denen ich hoffe, dass sie zur Einsicht führen.

Inakzeptabel und sonderbar

Was soll mir außerdem daran gefallen, wenn mir entschiedene Herren am Telefon erklären, dass man alle Ausländer aus Deutschland deportieren müsse? Solche Ansinnen, ein Manuskript für sie fertigzustellen, verdienen nicht einmal eine Begründung für die Ablehnung. Mir würde schlecht werden.

Zuweilen habe ich keine Chance, meine Irritation zu erläutern, wenn jemand aus dem Badischen verlangt, ihr geregeltes Leben als Gattin eines mehr als reichlich Gutverdienenden im Stil von Dan Browns „Sakrileg“ zu formulieren. Wie soll ich die Verbindungen zu Mythen und Symbolen, zu Verfolgungsjagden in berühmten Museen zwischen Paris und New York herstellen, trotzdem eine beschauliche Biografie herstellen, die die Lebenswirklichkeit trifft?

Natürlich hilft die Traumvariante. Doch wurde auch der Anspruch formuliert, mehr als 64 Millionen Exemplare zu verkaufen, weil Dan Brown sein Werk aus der Sicht der fordernden Unternehmersgattin „dahingeschmiert“ habe. Wenn die Tonlage hoch aggressiv ist, kann ich mir die Zusammenarbeit über Wochen und Monate nicht vorstellen. Sie wollte Geld verdienen, weil ja alles andere auf der Welt Mist ist.

Ich habe es gern, meine Auftraggeber zu mögen.

Erotik

Die Grenzen sind an anderer Stelle verschoben. Die ersten aufregenden erotischen Erlebnisse in der späten Jugend sind der Weltliteratur nicht fremd. Solche Werke habe ich schon formuliert, den „Liebesakt“ nach der Musik von Ravels „Bolero“ rhythmisch formuliert, ohne an die Grenzen des guten Geschmacks zu stoßen. Vereinfacht: ohne einen Porno zu schreiben.

Solche Manuskripte sind Herausforderungen, die ich sehr schätze. Die schreibe ich selten, doch lehne ich sie nicht ab, wenn es um Liebe, Leidenschaft und das Begehren in einer Nacht geht.

Hier haben wir einen anderen Ausgangspunkt: Die Einen wollen sich finanziell ruinieren oder ihre kruden rechtsradikalen Ideen in die Welt setzen. Die Anderen sind zögerlich wegen ihres Themas, in dem gute Musik stecken kann, wenn man sich als Kapellmeister versteht, der die Noten in die richtige Reihenfolge bringt und die Tonlage trifft.

Lassen sie uns miteinander sprechen. Dafür bin ich immer offen, aber auch ganz ehrlich, wenn ich Aufträge nicht annehmen möchte. Es gilt allerdings: Ich schreibe niemals für Studierende. Man ist zeitlebens dafür verantwortlich, was man sich selbst verantwortlich gemacht hat. Mehr als die Hälfte der Anfragen, die ich erhalte, kommen von Schülern und Studenten. Die machen sich strafbar. Ich verhalte mich sittenwidrig. Warum sollte man das tun?

Bei allem geht es immer um Redlichkeit, die zum persönlichen Erfolg führen kann. Nicht nur im Interesse von gut formulierten Texten ist das der beste Ausgangspunkt für eine gute gemeinsame Zeit. Kommen Sie mit.

 

 

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