17.12.2018

Ghostwriter für den großen Familienroman

 

Es geht auch anders. Die klassischen Biografien werden sehr selten gedruckt: Es sei denn, die nötige Prominenz verspricht dem Verlag, dass die Werke gut verkauft werden. Nicht selten stecken Ghostwriter dahinter, die Irrungen und Wirrungen, Erfolgserlebnisse und Einblicke ins Private schreiben. Solche Biografien finden leicht ihre Käufer. Prominenz bedeutet, Aufmerksamkeit zu finden. Das ist das Wesen der Prominenz, des Herausgehobenseins.

Private Biografien haben kaum eine Chance auf dem Buchmarkt. Besser ist es, eine Stilform zu wählen, die verschiedene Genres vereint: die Reiseliteratur, das Drama, die Komödie und zuweilen die Satire. Dass es sich um eine Biografie handelt, ist gut, wenn der Autor in der Lage ist, die Geschichte so zu erzählen, dass sie echt und für den Leser interessant ist. Es kommt auf die Sprache an, auf die Fähigkeit, Abenteuer abzubilden.

Deshalb empfehle ich die bewährte Romanform.

Sie macht viel Arbeit, erhöht die Chancen, einen Verlag zu gewinnen. Viele Verlage erhalten monatlich Hunderte oder Tausende von Angeboten. Die beziehen sich sehr oft auf private Biografien. Ich kenne das aus eigener Erfahrung, wenn ich über meine Arbeit als Lektor und Ghostwriter berichte. Dann heißt es, darüber solltest du ein Buch schreiben.

Übrigens werden Bücher nicht geschrieben. Das Buch ist das Endprodukt aus der Arbeit des Autors, des Lektors, des Layouters und des Designers und ebenso des Druckers. Also sprechen wir lieber über das Buchmanuskript. So ist das korrekt, wenn es ums Schreiben geht.

Ich selbst schreibe versiert Romane. Dabei kommt es auf viele Details an, auf Bewegungen, auf das, was es zu sehen gab, wie Menschen sprachen, wohnten oder sich kleideten. Ein Ereignis aus den 70er-Jahren muss erkennbar bleiben. Es geht um Geschichten in ihrer Welt und zu ihrer Zeit. Dafür sind Recherchen nötig. Herangezogen werden Fotos, Daten, Preise im Laden an der Ecke oder die alltäglichen technischen Möglichkeiten, die es vor 40 Jahren gab. Nach der Heimkehr wurden der Briefkasten geleert und der Anrufbeantworter abgehört. E-Mails waren unbekannt. Neues kam aus der Tageszeitung oder der „Tagesschau“. Nahes wurde persönlich berichtet oder stand am nächsten Tag in der Lokalzeitung.

Der Roman: Natürlich steht immer die Handlung im Mittelpunkt. Sie schwebt nicht im Irgendwann und Irgendwo.

Das Schreiben eines Romans ist echte Fleißarbeit. Prosa funktioniert ohne Psychologie nicht, nicht ohne die Wertvorstellungen, die Art der Erziehung, der Ordnung oder Unordnung zum Beispiel im Klassenzimmer.

Näher und enger lesen sich Romane, wenn es um Beziehungen geht. Das hat nicht nur Thomas Mann deutlich gemacht, der den großen Familienroman schrieb. Familiengeschichten sind stets so interessant wie das, was einem selbst widerfahren ist als Bruder oder Schwester, als Sohn oder Tochter, als Mutter oder als Enkelkind.

In jeder Familie geschieht das, was große Beachtung verdient: der Tod, der Unfall, der Umzug in die nahe oder ferne Welt. All das kann und muss Bestandteil des großen Familienromans sein. Ich bedaure sehr oft, dass Auslandsdeutsche in der Ferne nicht für unseren Sprachraum berichten. Frauen zogen mit amerikanischen Soldaten in deren Heimat: nach Iowa oder Virginia.

Indessen zeigt sich auch, wie wichtig es sein kann, als Ghostwriter vor Ort zu arbeiten, im ständigen Dialog zu sein, sich zu erkundigen und selbst zu erkunden. Das ist eine besondere Aufgabe, die ich übernehme.

Beachten Sie bitte, dass ich mindestens zwei bis drei Monate an einem solchen Werk arbeite. Die Preise sind im Vergleich mit denen zum Beispiel in der Schweiz deutlich niedriger, obwohl uns die Sprache eint und gute deutschsprachige Romane nicht an der Grenze eines Landes haltmachen dürfen.

In Deutschland, Österreich und in der Schweiz leben knapp 100 Millionen Menschen. In allen drei Ländern gibt es zahlreiche Verlage. Daran müssen wir auch denken. Die richtige Form zu finden: Darüber muss von Anfang an nachgedacht werden.

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