15.07.2019

Mit dem Lektor vor Ort zusammenarbeiten: Wie ist das?

 

Die Arbeit vor Ort ist ein Service, den kaum ein Ghostwriter im deutschsprachigen Raum anbietet. Das gilt wohl auch für Lektoren. Die Zusammenarbeit hat den Vorteil, dass jeden Tag intensiv diskutiert wird. Ich habe Auftraggeber in der Schweiz und in Österreich gehabt, die sich für die Zeit der Zusammenarbeit Urlaub nahmen. Nötig ist das nicht. Meine Texte und Korrekturen können bei den täglichen Treffen abends erläutert, erweitert, vor allem begründet werden.

Karl-Heinz Smuda reist an und diskutiert mit Autorinnen und Autoren. Die Arbeit vor Ort ist auch für mich als Lektor und Ghostwriter effektiv. Vor allem lerne ich Auftraggeber persönlich kennen. Die Kommunikation erfolgt sonst per E-Mail, Skype oder während der Telefongespräche.

Wie läuft diese Zusammenarbeit ab? Nehmen wir einen beliebigen Tag. Ob in Wien oder Zürich, ob in einem kleinen Zimmer auf einem günstigen Bauernhof oder in einer Pension: Die Arbeit muss bis zum frühen Abend geschafft sein. Also beginnt sie morgens um acht oder neun Uhr. Was das Lektorat angeht, sind an einem Tag kaum mehr als 10 oder 15 Normseiten zu schaffen. Das liegt an mehreren Durchgängen, an Ergänzungen, Umstellungen, Korrekturen der Rechtschreibung, auch der Logik oder Zeitform.

An solchen Abenden geht die Arbeit weiter, vielleicht sogar beim Bier oder Wein. Doch werden neue Ideen ausgetüftelt, alte verworfen und ersetzt. Das macht beiden Gesprächspartner durchgehend sehr viel Spaß. Das ist kreative Arbeit in lockerer Atmosphäre.

Obwohl meine Auftraggeber und ich am Vorabend festlegen, wann wir uns treffen wollen, kommt es zu Verschiebungen. Doch der Zeitpunkt 19 Uhr ist meist gut gewählt. Dann liegen elf Arbeitsstunden hinter mir. Oft hat es kurze Pausen gegeben. Die ändern nichts an der Intensität der Arbeit. Auch während des Einkaufes von Mineralwasser, Brot oder Schokolade bleiben die Gedanken weitgehend mit der Arbeit verbunden, die konzentriert sogleich nach der Heimkehr weitergehen muss. Die Zeit drängt. Eile allerdings wäre eine schlechte Beraterin.

Was bei der Arbeit vor Ort sehr oft gefragt ist, das ist das „Lektorat PLUS“: Ich schreibe Übergänge neu, schlage für zusätzliche Daten und Fakten nach und bette sie in die Texte ein. Zuweilen ergänze ich Selbstgeschriebenes so, dass es keine Brüche gibt: Stimmungsbilder, Rückblicke, für Satiren zum Beispiel Zeitungsmeldungen oder Dialoge.

Man muss versiert sein in diesem Beruf – und braucht heutzutage im Hotel einen Internetanschluss, wenn Informationen gebraucht werden. Der Lektor oder Ghostwriter weiß sehr gut, wo er sie finden kann.

Übrigens sieht der Lektor und Ghostwriter nicht viel von der Stadt. Am Ende macht sich durchaus die Erschöpfung bemerkbar. Länger als zwei Wochen sollte die Arbeit vor Ort nicht dauern. Die Aufgabe kann in Berlin fortgeführt werden. Es wurden viele Gespräche geführt.

Wie wird man Lektor oder Ghostwriter?

Es zeichnet sich noch immer und in Wellen die große Sehnsucht ab, zu schreiben. Sie sehen Plakate von Instituten, die teure Fernkurse fürs Schreiben anbieten und wegen der Bedürfnisse der Menschen wirtschaftlich ganz gut über die Runden kommen. Den Bedarf gibt es seit langer Zeit. Sonst fänden sich sommers nicht in der Frische Menschen ein, die kreativ schreiben wollen, was immer das auch heißen mag: kreatives Schreiben. Das Schreiben ist eng damit eng verbunden, sich frei zu fühlen, sich frei fühlen zu müssen. Doch gibt es zahlreiche formale Zwänge.

Die Fähigkeit zum Schreiben setzt sich also nicht nur aus Lebenserfahrung, der Sorgfalt, dem Sprachgefühl, der Struktur des Manuskripts und der Ausdauer zusammen, sondern auch aus der Kunst zum wilden Denken, aus der Fähigkeit, wie ein Boomerang zu Nebenschauplätzen zu fliegen, und aus der Distanz zum eigenen Text. Es ist wie beim malenden Künstler: Wer schreiben will, muss wissen, wie das geht.

In Kursen werden Fertigkeiten beigebracht. Die Dozenten dort werden jedoch sagen: Nun muss ständig und unermüdlich geübt werden. Was aber, wenn die Geschichte im Innern drängt, niedergeschrieben werden muss? Bleibt Zeit, jahrelang zu üben, Kurse zu besuchen?

Dann hilft beim Schreiben ein Lektor, der begleitet bzw. korrigiert, oder der Ghostwriter, der vollkommen entlastet.

Beschäftigt wird ein Fachmann. Das sollten Auftraggeber wissen. Die Arbeit dauert Wochen oder Monate lang.

Die Arbeit vor Ort ist für mich von besonderer Bedeutung. Es geht um den Tapetenwechsel, nicht die Ferne und schon gar nicht das Abenteuer. Das steckt in den Manuskripten während der Beschäftigung, nicht am Wiener Opernring oder in der Zürcher Bahnhofstraße. Es bleibt keine Zeit für Besichtigungen und touristische Erlebnisse. So ist das wirklich mit der Arbeit vor Ort als Lektor und Ghostwriter in Berlin für Buchmanuskripte nicht nur aus Deutschland, Österreich und aus der Schweiz. Ihr Text ist mein Auftrag.