15.11.2019

Arbeitsprobe: Sachbuch für die Industrie

 

„Ach, Italien! Und was hat das alles mit Südtirol zu tun? – Die Welt war ein Paradies. 1991 hat das philippinische Kinderfernsehen einen Beitrag über Flüsse aus Milch, Berge aus Schokolade und Bäume mit schönem Spielzeug gesendet. Plastikeimer, Puppen und Teddybären hingen an den Zweigen. 7 000 Inseln gehören zu den Philippinen. Dort gibt es weiße Strände, undurchdringliche Urwälder, doch auch große Not. Für die Kinder verglich das Fernsehen die Erde mit einer großen Praline. An ihr wurde geknabbert. Ein Bild folgte auf das andere. Die reißenden Flüsse wurden zu Rinnsalen, hohe Berge zu kleinen Hügeln. Auf einer der grünen Wiesen lagen Haufen kaputter Spielzeuge. Die Menschen wirkten unglücklich. Was sollten sie machen? Ihre Ressourcen gingen zur Neige. Nichts war mehr so schön wie früher. Die Kinder auf den Philippinen leben oft in Wellblechhäusern. Unter den wackligen Tischen auf den Marktplätzen im Herzen Manilas finden sie ebenfalls Schlafplätze. Trotz warb das Philippinische Fernsehen für den Umweltschutz. Gemacht wird das Programm von denen, die für die philippinische Ausgabe der Sesamstraße arbeiten. Kommerzielle Interessen haben sie nicht. Trotzdem häufen sich Müllberge an den Straßenrändern. Zweispurige Straßen werden chaotisch drei- und vierspurig von alten, rostigen Autos genutzt. Wer sich das leisten kann, läuft wegen der großen Umweltverschmutzung mit dem Mundschutz durch die Hauptstadt. Nicht anders ist es in Kinshasa, also im Herzen Afrikas. Die meisten Menschen in der Demokratischen Republik Kongo kaufen sich durstig unter der gleißenden Sonne kleine durchsichtige Wassertüten. Mit den Schneidezähnen reißen die Leute auf den staubigen Straßen das Plastik auf, saugen das Wasser bis zum letzten Tropfen aus. Allein in Kinshasa leben rund neun Millionen Menschen. Die Wassermenge aus der Tüte passt in eine kleine Tasse. Von den Tüten landen in jedem Jahr geschätzt 10,9 Milliarden auf dem Boden Kinshasas. Dort gibt es nicht viele Möglichkeiten zum Sammeln und Verwerten. Es fehlt an Geld.“

Umfang des Manuskripts: 200 Normseiten, als Buch erschienen im Jahr 2010