21.05.2019

Rezension: „Quereinstieg“, Gerhard Fenkart-Fröschl

 

Mit großer Begeisterung habe ich das Werk von Gerhard-Fenkart-Fröschl in Wien vor der Einreichung beim Verlag professionell lektoriert.

Das war im August 2012. Nach nur elf Monaten und vor der Parlamentswahl in Österreich erscheint „Quereinstieg“ am 15. Juli 2013 in Wien.

Hier die Beurteilung und meine besondere Empfehlung der Satire aus Österreich:

Rasant und abgefeimt: So lässt sich die Erzählung von Gerhard Fenkart-Fröschl zusammenfassen. Eine junge Dame beschließt beim Wein: In einem Jahr bin ich Staatssekretärin der österreichischen Bundesregierung.

Quereinstieg von Gerhard Fenkart-FröschlDie Frau von Lichtenfels ist fleißig, holt sich findig knappe Anweisungen von Politikern, setzt sie um, macht nach. Macht Macht! Die Freunde schütteln die Köpfe, die garstige Verwandte zahlt … Wer verbringt schon gern eine Nacht auf einer Toilette in einer nationalen Bibliothek, um bedeutende Werke einer noch unbedeutenden Nachwuchspolitikern in Regale zu stellen und in Datenbanken einzuspeisen?

Was so leicht daherkommt, ist gut recherchiert. Der Autor hält alles für möglich und erbringt den Beweis. Und wenn der einen Spagat vornehmen muss, erfindet er den Zufall. Ohne Glück wird die Karriere von Kathie auch nicht funktionieren.

Wozu die älteren Damen und Herren der Politik lange Zeit auf dem Weg zur Erkenntnis und Karriere gebraucht haben, wird zur Strategie der Hauptdarstellerin. Die wissen, was zu tun ist. Trotzdem sind die Ratschläge allesamt seriös: Sei kompetent, sei seriös, arbeite in einem Bereich herausragend, falle auf. Vergiss den Fleiß nicht.

Kathie will gut gerüstet mit dem Notizbuch einer Wette wegen den Quereinstieg in die höchsten Höhen des alpenländischen Parlamentarismus vornehmen.

Das gelingt ihr, und auf ihrem Weg trifft sie auf tumbe, aber nette Soldaten, auf versoffene Schotten, die bessere Gesellschaft im Vereinigten Königreich, honorige Ex-Politiker – und nutzt die Gunst der Sendestunden im Fernsehen, die Verdrossenheit der Wähler, deren Aggressionen.

Wir entdecken nicht etwa Österreich, denn in Wahrheit hat Gerhard Fenkart-Fröschl einen wunderbaren europäischen Roman geschrieben. Klischees? Von denen keine Spur. Seitenblicke nach Italien und auf das Absurde in der Berlusconi-Zeit? I wo. Dafür war sich der Autor zu schade. Er wollte seine Leser nicht ermüden.

Großartig ist, dass offenbar auch Politiker der ersten Garde Österreichs amüsiert sind, die einen langen Weg hinter sich gebracht haben: kundig, zäh. Sie werden heiter denken: So geht das nicht in der Politik – oder etwa doch? …

Dem Fenkart-Fröschl glaubt man wie einem im Kino, wo einer zum Mittelpunkt der Erde reist.

Satire ist für alle da. Möglich ist mit Phantasie alles, wenn sie sich an dem orientiert, was Leute für erreichbar halten. Gaukler machen es nicht anders. Und, mit Verlaub, Fenkart-Fröschl ist bei diesem Thema ein herausragender Gaukler in seinem literarischen Genre … Sprachlich intensiv. Er langweilt nicht, steigt bei der besten aller Gelegenheiten in den Schilderungen aus, um auf Nachwirkungen zu setzen. Damit erreicht der Autor mit seinem Werk nicht allein die Köpfe, sondern ebenfalls die Herzen. Niemand kann schockiert sein, und am Ende ist es wie bei einem guten Film: Wie geht es weiter?

Gerhard Fenkart-FröschlAuf der Reise durch die Politik, wie sie Gerhard Fenkart-Fröschl beschrieben hat, wird die Fiktion zur Realität, wenngleich das politische Geschäft während der Suche nach Kompromissen, auch der Ernsthaftigkeit auf dem Weg zum Ziel, realpolitisch ganz anders aussieht.

Österreich zeigt bodenständigen Humor mit Intelligenz. Zynisch ist „Quereinstieg“ ganz und gar nicht, sondern sonnig, verwegen, immer amüsant.

„Quereinstieg“ ist ein Roadtrip durch Europa, durch die Politik, durch den Kopf eines intelligenten Autors, der es schafft, vor der Entrüstung, wie das alles möglich sein kann, immer noch eine neue Idee auf den Berg der Überraschungen zu legen, den dieses Buch in sich birgt. Ganz sicher: „Quereinstieg“ wird das Buchhighlight dieses Buchherbstes sein, zumal in der Alpenrepublik gewählt wird. Man weiß nicht, ob jetzt schon jemand an seinem Quereinstieg arbeitet, ein potenzieller Staatssekretär gar …

Aus Deutschland kennen wir Karrieren, die kurz waren, aber von Quereinsteigern gemacht wurden. Auch in Deutschland wird bald gewählt.

Politisch wirkt Frau von Lichtenfels von innen nach außen, gibt den Österreichern das Gefühl, nicht Bewohner eines kleinen, womöglich provinziellen Landes zu sein, sondern Gewinner einer international anerkannten Kapazität wie der guten Kathie, die sich sogar einen abgehalfterten Verlag unter den Nagel reißen muss, um jene legendäre Schriftenreihe auf die Welt zu heben, als hätte es die Publikation immer gegeben. Wer schreibt, der bleibt. Wer scheinbar Kluges, wenn auch unverständlich oder geklaut, geschrieben oder genommen hat, der wird etwas. So scheint es zu sein. Man glaubt es sogar.

Dem honorigen Goldegg Verlag, Wien, ist zu danken, dass er das Potenzial von „Quereinstieg“ sehr schnell erkannt hat.

Kathie verliert ihr menschliches Gesicht nicht. Er stellt sich die Frage: Ist es nicht doch möglich, so rasant einen Quereinstieg in die Politik hinzubekommen? In Deutschland geht und ging das ja auch, in einigen Fällen sogar gut.

Und schon verselbstständigt sich alles: Was ist denn Politik? Populismus, Dreistigkeit? Und wenn Politiker wie ihre Wähler herzhaft während der Lektüre „Quereinstieg“ unbefangen lachen können, ist nichts verloren. Dann sind alle souverän in der Demokratie.

Karl-Heinz Smuda
Lektor in Berlin

Nützliche Angaben:

„Quereinstieg

Vom Nobody zum Politstar in einem Jahr. Eine politische Satire“
Autor: Gerhard Fenkart-Fröschl

Produktinformation
• Gebundene Ausgabe: 300 Seiten
• Verlag: Goldegg, Wien
• Sprache: Deutsch
• ISBN-10: 3902903406
• ISBN-13: 978-3902903402

Preis: 19,95 Euro