23.09.2018

Dimensionen der Unredlichkeit

 

Tag für Tag rufen nicht nur Studenten an. Gelegentlich sind es die Eltern, die entschlossen entgegenschmettern: „Sie schreiben Hausarbeiten?“ Es geht um Dissertationen, Magisterarbeiten und andere Werke, die für die Universitäten erstellt werden sollen.

Im Ton schwingt mit, dass der Ghostwriter alles schreibt und man mit ihm nun ins Geschäft kommen möchte. Oh je. Die Zahl der Anfragen hat vor allem nach den Diskussionen um den damaligen Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg störend und dreist zugenommen.

Hier geht es um juristisch Relevantes. Daran können die ertappten Studenten an den Hochschulen noch schwer tragen. Was der Ghostwriter macht, ist sittenwidrig. So sagen es die Gerichtsurteile. Er selbst hat nicht viel zu befürchten, außer den Verlust seiner Redlichkeit. Das ist sehr viel für ihn, wenn ihm an Seriosität gelegen ist.

Kein Ghostwriting für Studierende

Es ist wirklich lästig, Tag für Tag, vor allem in den Abendstunden, wenn Entschlüsse der Eltern und ihrer Kinder gereift sind, erklären zu müssen: Nein, ich schreibe nicht für Studenten, die ihre Hochschule täuschen wollen. Das kommt nicht infrage.

Ich sehe hier eine moralische Dimension. Man ist Zeit seines Lebens dafür verantwortlich, was man sich vertraut gemacht hat. Ein klares Wort: Wenn sie nicht studieren wollen, lassen sie es sein. Man kann durchaus ohne einen, zumal erschwindelten akademischen Abschluss glücklich werden.

Weisheit ist Glück. Sapienti sat est.

Ermahnung

Ich bitte Studierende eindringlich, auf Anfragen bei mir als Ghostwriter zu verzichten.

Als Lektor bin ich seit langer Zeit gern für sie da, um Leistungen zu optimieren. Dazu gehören Korrekturen der Rechtschreibung und des Ausdrucks, hin und wieder Ergänzungen von Quellen. Dieses Angebot unterbreite ich mit besonders guten Preisen für Studierende.

Doch nicht mehr.

Fatal scheint mir zu sein, dass Eltern die Zukunft ihrer Kinder mit der Geldbörse für den Ghostwriter gestalten wollen.

 

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