17.12.2018

Tipps. Details im Manuskript holen ins Leben

 

Bücher bieten breiten Raum. Wer ein Buch schreibt, macht gewissermaßen Fernsehen im Kopf. Tausende von Informationen müssen recherchiert und integriert werden. Wie lange fährt der Zug von Warschau nach Duisburg? Wie war das an dem Abend, als Jugendliche in Hamburg Drogen nahmen?

Wer eine Biografie schreibt, will andere in sein Leben holen. Details im Manuskript holen ins Leben. Das ist nicht nur beim Schreiben von Biografien wichtig.

Dafür braucht der Autor Liebe zum Detail.

Es kommt beim Schreiben immer auf die Fülle von Details an.Selbst empfehle ich, die Handlung auf drei Seiten zu skizzieren. Das Papier ist die Grundlage für den Aufbau des Manuskriptes.

Viele Details müssen integriert werden. Das Schreiben des Buches kann mühselig sein. Ghostwriter schreiben und entlasten hilfsweise. Lektoren beraten.

Texte, in denen es um Details geht, finden Autoren beispielhaft hier:

Heimat Oberschlesien:

„Morgens um 8 standen Frauen mit braunen Eimern am Fensterrahmen. In der rechten Hand hatten sie kleine Schwämme, mit denen sie den Kohlenstaub eifrig vom Fenster wischten. Dann griffen sie zum sehr alten Handtuch, wischten den schmierigen Dreck weg. Diese Tortur wiederholte sich Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr.

Der Bergbau bot Arbeit. Niemand beklagte sich über die Tristesse. Es gab bessere Leben. Es gab schlechtere. Nach der Arbeit gingen die Bergarbeiter meist gleich nach Haus. Sie setzten sich ermattet an die kleinen Tische in den Küchen. Vor ihnen lag die Plastiktischdecke. Sie wurde nass abgewischt, als Vater sich müde hingesetzt hatte.

Vor den Bergarbeitern stand der Suppenteller. Am Kopfende hatten die Frauen den Löffel hingelegt. Mit der rechten Hand griffen die Männer mit einer Viertelrundung im Arm nach dem Löffel. Oft gab es Hühnerbrühe, Nudelsuppe oder Bigosch. Die Frauen hatten nichts zu erzählen. Still saßen sie neben ihren Männern.“

Straßengeschehen:

„So spektakulär sind die vorbeifahrenden Autos und die Leute an der Haltestelle der Straßenbahn 9 wirklich nicht: ´ETH Universitätsspital´, in violetter Farbe markiert. Gelangweilt setzt ein 44-Jähriger den schwarzen Rucksack neben seinen abgelaufenen Schuhen ab. Im grauen Februareinerlei interessierte ihn das Kunstwerk nicht. Über dem gewaltigen Bauch steht die dunkelgrüne Jacke offen, obwohl der dunkle Himmel mit baldiger Nässe droht.“

Kindheit:

„Er mochte seine neue Mutti. Mit dem Sprechen klappte es etwas besser. Sie schien ihn zu fördern. Als der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst nach einem Jahr wieder kam, freuten sich die Leute über den kleinen Bernd. Der hatte sich gemausert.

Hinter ihm lagen hübsche Abenteuer. Er hatte mit Kieselsteinen Deiche am Bach gebaut. Mit den Gummistiefeln war er in große Pfützen gesprungen. In den Wäldern hatte er hopsend Äste abgebrochen, die Richtung von Ameisenarmeen mit einem Stöckchen geändert. Mit dem neuen Vater fuhr er auf dem Traktor stundenlang über das Feld. Manchmal lag er auf der sattgrünen Wiese vor dem Haus auf dem Rücken und schaute sich den blauen Himmel an. Dann zählte er die Vögel mehr als 80 Mal und bewegte sich mit seinem Rechenergebnis unbekümmert heim.“

Alltag Schweiz:

„Die Raemistraße wird nach 300 Metern rechts zur Universitätsstraße, links zur Sonneggstraße. In der Mitte beginnt die Häuserzeile, dort wo das Café ist. Seit 5 Jahren fährt der Mann täglich zur Mittagsschicht nach Heuried und hilft für wenig Geld in einer Pension. Die Straßenbahn wird von links kommen. Ihn bringt nichts aus der Ruhe.“

Ferne:

„Die breite Straße ist wie eine lange Rampe in Richtung des großen Feldes der Loveparade. ´The Art of Love´ heißt das Ereignis diesmal. Fröhlich sind die Leute. Ihre Dialekte verraten, dass sie aus Thüringen, Bayern oder Schleswig-Holstein kommen. Natürlich ließen es sich die Berliner nicht nehmen, ins Ruhrgebiet zu fahren. Der Zug aus Amsterdam-Centraal hat 1 Stunde und 58 Minuten gebraucht, der aus Paris Nord 4 Stunden 58, aus Warschau die ganze Nacht.“

Jugend in Hamburg:

„Sie legten zusammen, warteten. Petra sorgte fürs Bier und die harten Sachen. Den anderen Stoff zerbröselte der Magere auf dem Tabak von Batavia. Nass strich seine Zunge über den Klebestreifen. Er war der Einzige, der den Joint im zusammengeklebten Blättchen straff für alle drehen konnte.

Petra hatte es probiert. Ihr fehlte dafür jede Geschicklichkeit. Mit Daumen und Zeigefinger reichten sie das Gras im Papier nach dem tiefen Lungenzug an den Nächsten weiter. Das sah aus, als würde ein kostbarer Diamant übergeben werden.

Erst im letzten Moment tippte jemand die Asche in den Plastikbecher mit dem schwarzen Leitungswasser, in dem noch Kippen von gestern und vorgestern schwammen. Wenn der Abend gelaufen war, schlief Petra mit jemandem aus der WG oder blieb benommen auf dem Sofa liegen.

Vorher war sie für ein Glas Wasser in der Küche gewesen. Der Magere lag auf dem Boden. Seine Beine waren angezogen. Mit dem linken blieb sie vor dem Oberkörper stehen, hob schwer das rechte Bein über den verstörten 17-Jährigen und schob den ganzen Körper nach: ´Was ´n los?´, fragte er.

Ins Wanken kam Petra nach der waghalsigen Überquerung nicht. Mit den streichholzartigen Fingern zog sich der Junge hoch und kotzte ins Waschbecken, wo keine Schweinerei zurückbleiben sollte. Dann ließ er sich fallen. Sie lächelte derweil den hellblauen Hängeschrank mit den Iron Maiden-Aufklebern an.“

Als Lektor und Ghostwriter bin ich gern für Sie da.

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