21.10.2019

Lektor heute. Meine eigene kleine Geschichte über mich

 

Sie lassen mich in Ihr Leben rein, wenn ich an Ihren Biografien arbeite. Deshalb erzähle ich von mir.

Lesen und schreiben. Damit beginnt jeder Mensch in der Schule. Das habe ich zu meinem Beruf gemacht. Deshalb dieser kleine Einblick. Mit 15 gab es diesen Artikel über die Kirmes in Dürwiß, ein bedeutendes dörfliches Ereignis, das im „Bote an der Inde“ mit meinen drei Initialen KHS abgedruckt wurde. Darauf war ich stolz. Ich dachte, nun bin ich in Dürwiß weltberühmt. Der „Bote an der Inde“ erschien von Montag bis Samstag mit einer Auflage von 2 700 Exemplaren und war die „führende Heimatzeitung“ im Kreis Aachen.

Dürwiß bei Eschweiler in der Voreifel

Dürwiß, mein Geburtsort, ist heute der Stadtteil einer mittelgroßen Stadt namens Eschweiler in Nordrhein-Westfalen. Die nächste Große Stadt ist Aachen, und dort befindet sich das Dreiländereck mit den Grenzen nach Deutschland, Belgien und in die Niederlanden. Das Leben als Junge war ganz schön international. So empfand ich das, wenn ich mit dem Fahrrad über Landesgrenzen radelte.

Tippen am Küchentisch auf einer zusammengesparten „Olympia“

Es kamen in Dürwiß viele dieser Artikel hinzu, über Karnevalsveranstaltungen, Jubiläen von Spielmannszügen oder Porträts, für die ich die Jubilare mit 15 Jahren ziemlich ungelenk gefragt habe, warum sie denn 100 Jahre alt geworden seien. Dabei war mir danach zu hören, wie ein interessanter Mensch es geschafft hat, nach Irrungen und Wirrungen vor dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, in den Zeiten währenddessen und danach dies alles geistig und körperlich so wacker überstanden haben. Meine Fragen wurden nicht falsche verstanden. Ich hatte Glück, denn ich fand Milde.

Karl-Heinz Smuda berichtet über seine Erfahrungen und über seine Ausbildung. Sensibilisieren

Nun baue ich auf 42 Jahre Erfahrung. So schrieb ich Briefe für andere Leute, mit 17 Jahren in der „Eschweiler Wochenendpost“ Kolumnen, in der es wöchentlich in 33 000 Exemplaren um die Sicht Jugendlicher auf lokale Ereignisse ging. Es folgten Buchkapitel, mit 18 das erste Buchkapitel über Radio Vatikan. Die Feinarbeit habe ich als Reporter für Zeitungen, das ARD-Fernsehen und den öffentlich-rechtlichen Hörfunk gelernt und trainiert.

Doch begann die Leidenschaft für den Rundfunk mit der Teilnahme an einem Hörspiel, das am 22. September 1976 in einer Kölner Wohnung zwischen Wohnzimmerschrank, Mikrofonen, dem Regisseur Hein Brühl, Assistenten, Schauspielern und Assistenten aufgenommen wurde. Sendung am 22. November 1976 abends um 21.10 Uhr auf WDR 2, zu einer Zeit, als es noch keine Privatsender gab. Noch heute lässt sich der Hinweis im Internet, in der ARD-Datenbank für Hörspiele, finden. Der Arbeit fürs Fernsehen konnte ich nie viel abgewinnen. Andere Leute, anderer Schlag, anderes Holz …

Reportagen

Ich wurde „bestallter“ Korrespondent, musste für viele Menschen im Radio und Fernsehen bildhaft, also detailreich beschreiben: beim Oder-Hochwasser wie beim Ausbruch des Vulkans Mount Pinatubo in Manila oder aus dem Bürgerkrieg in Ost-Timor, aus dem Kosovo-Krieg und aus anderen Krisenregionen. Nichts ist der Mensch ohne den Menschen. Nicht nur bei diesen Einsätzen habe ich gelernt, was es heißt, überleben zu wollen. Das verstehen Menschen, die zum Beispiel den Zweiten Weltkrieg er- und überlebt haben, besonders gut. Das prägt. Und schon erinnere ich mich an den 100-Jährigen von damals, der heute älter als 143 Jahre sein müsste …

Vielfalt schult Empathie

Es sind rund 12 000 Beiträge aus Europa, Asien, Australien, Afrika und den USA entstanden, die Facetten abbildeten. Weil ich in viele Bereiche hineingeguckt habe, konnte auch die Empathie wachsen, wenn es um Menschen ging. Was die Arbeit für Ratgeber angeht, ist sie  harte Arbeit, weil jedes Detail stimmen muss. Hier sind die Fähigkeit zur gründlichen Recherche, die eigene Weitläufigkeit und Faktenwissen nötig. Wichtig ist immer auch Toleranz. Als Lektor und Ghostwriter hat man direkt und indirekt ständig mit Menschen zu tun.