21.01.2019

Zitat „extradienst“: Ghostwriting als Dienstleistung

 

Das österreichische Medienmagazin „extradienst“ über die Arbeit von Ghostwritern: „Von Geisterhand verfasst“ (11.02.2011). Autor ist der Schriftsteller Bruno Jaschke.

„Wer aber hat Interesse, den wahren Verfasser nicht zu nennen? Sprich, einen Ghostwriter zu engagieren? Einen, der für seine Arbeit nominell nicht gewürdigt wird?

´In der Regel sind es Privatleute, die von ihrem Buch träumen und an ihre Grenzen gestoßen sind. Eine zweite Gruppe sind Kleinunternehmer, die der Öffentlichkeit ein eigenes Buch präsentieren wollen und das Schreiben delegieren. Die begrenzte Zeit und Fähigkeit sind in der Regel der Grund für den Auftrag. Ich erbringe deshalb eine Dienstleistung wie ein Handwerker, der spezielle Fähigkeiten hat.

Die Publikation befasste sich mit der Arbeit von Ghostwritern. Am Anfang steht die Idee der Auftraggeber und deren Eingeständnis, kein Buch schreiben zu können, aber unbedingt eins haben zu wollen´, sagt Karl-Heinz Smuda, im deutschsprachigen Raum fast so etwas wie der Doyen der Ghostwriter.

Der 49-jährige Berliner hat eine mehr als ansehnliche Karriere als Journalist und Autor hinter sich. Er arbeitete beim ZDF und Deutschlandfunk und war europa- und weltweit als Journalist und Öffentlichkeitsarbeiter an zahlreichen Krisenherden zur Stelle.

Neben rund 15.000 journalistischen Beiträgen – die meisten davon für den Hörfunk – hat er 83 Bücher als Ghostwriter verfasst. Journalisten, so argumentiert er, seien aufgrund ihres Jobprofils naturgemäß gut für Ghostwriter-Aufträge qualifiziert: ´Journalisten fällt die Recherche deutlich leichter. Sie kennen sich mit Stilformen wie Nachricht oder Reportage gut aus. Gerade bei Sachthemen – etwa aus dem Bereich Umweltschutz – verfügen Journalisten über gute Grundkenntnisse, die sie erweitern können.

Sehr oft muss ich mich nicht grundlegend neu einarbeiten. Andererseits besteht ihre Fähigkeit darin, sich professionell und ohne Vorbehalte den meisten Themen zu nähern. Journalisten sind durch ihre Arbeit lebensnah orientiert. Zeitgeschichtliche Zusammenhänge sind greifbarer.

Bei Fachbüchern aus der Politik zeigt sich gelegentlich ein Defizit in der politischen Bildung der Auftraggeber. Hier hilft der Journalismus, Hintergründe zu beleuchten – mit der jeweils gewünschten Stilform. Der Journalismus konditioniert bei der Genauigkeit und vor allem der Verständlichkeit für möglichst viele Leser, weil Journalisten überwiegend für Massenmedien arbeiten, also für breite Bevölkerungsschichten. Das Wissen, wie man das macht, fließt bei der Vereinfachung komplizierter Inhalte in den Buchtext´.“

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