11.12.2018

Lektor. „Acker auf den Schuhen“: Roman von Peggy Wolf, Hamburg. Querverlag, Berlin

 

Ich freue mich sehr darüber: In gedruckter Form ist der Roman „Acker auf den Schuhen“ erschienen. Autorin: Peggy Wolf, Hamburg.

Dieses Buch hat große Aufmerksamkeit erregt. Gut recherchiert ist es und basiert auf einer wahren Geschichte. Die Spannungskurve der Dramaturgie verläuft wie eine Sanddüne. Es gibt zudem Ruhe- und Wendepunkte.

Peggy Wolf: Ihr Buch erscheint im Herbst 2014.Vom Alltag und Verdrängen

Peggy Wolf erzählt konzentriert die Geschichte einer Familie zwischen Dumpfheit und Trauer, zwischen Erduldung und Verachtung. Peggy Wolf bewahrt die Ruhe, die für das Leben im Dorf gelten muss. Alles scheint, als sei es auf Samt gelegt worden. Es bleibt bis zum Ende so. Was auch soll Mutter Waltraud tun?

Die Ärztin und Tochter Sarah kehrt als Selbstmörderin tot aus Norwegen heim. Mutter Waltraud steht am offenen Sarg ihrer Tochter, und die Beklommenheit springt auf den Leser über.

Natürlich kennt Waltraud die Antwort, doch fragt sie am Ende: Sind wir etwa schuld am Tod von Sarah? Verteidigung dominiert die Demut.

Im Mittelpunkt stehen die Frauen. Die Ehemänner sind krank oder bewegen sich beruflich gut aufgestellt im Leben. Der Pfarrer kettet sich an Prinzipien und liegt im Ruhekissen kirchlicher Moral.

Der Schwiegersohn, ein Ingenieur, steht nicht in der Gefahr, seiner Frau fortzulaufen. Eine andere müsste das Bett vorwärmen, in das er sich läge. Es sind die Details und Haltungen der fabelhaften Autorin Peggy Wolf, die dieses beklemmende Buchmanuskript sogar liebenswert machen.

Die Familie versteht sich darauf zu verschweigen, dass sie Schuld an der Einsamkeit Sarahs oder zumindest große Mitverantwortung für den Tod des Mädchens trägt, das Jahre zuvor wohl aus Bequemlichkeit in die Psychiatrie eingewiesen wurde.

Mutter ist Kind ihrer zupackenden Generation. Sie konnte und kann sich nicht befreien. Tag für Tag wird sie in ihrem Alltag gefordert.

Einzig Sarah ist zur offenen Analyse in der Lage. Sie gräbt sich mit Plänen und beruflichen Ansprüchen aus dem Elend der scheinbaren Idylle heraus. Das Grab in der nächstgelegenen Stadt umschließt die Lieblosigkeit im Elternhaus am Rande der Dorfstraße, in der die Natur aus Vogelgezwitscher, klaren Meinungen über die Anderen und der Versorgungsroutine im Rückzug besteht.

Sarah liebt und gibt auf. Sie ist damit weiter gegangen als ihre Mutter und endet an einem Holzbalken tief im Norwegischen.

Rezension "Acker auf den Schuhen" von Karl-Heinz SmudaEndlich eine große Familiengeschichte …

Die Autorin erweist sich als große Erzählerin und damit als Meisterin der literarischen Reportage. Als Lektor bin ich dankbar dafür und stolz darauf, „Acker auf den Schuhen“ bearbeitet zu haben.

Über die Autorin:

Geboren 1971, lebt Peggy Wolf heute in Hamburg. Sie hat in Leipzig und London „Bibliothekswesen“ studiert. Tätig war sie als Autorin über Antiquare für das „Börsenblatt des deutschen Buchhandels“, für das „Hamburger Abendblatt“, den „Tagesspiegel“, die „Süddeutsche Zeitung“ und die „Taz-Hamburg“.

Ihr Buch „Sternenlieder und Grabgesänge“ erschien 2006. Ein Jahr später wurde „Fahnenflucht“, ein Band mit Kurzgeschichten über den DDR-Alltag, veröffentlicht.

Neben ihrer Arbeit als Autorin wirkt Peggy Wolf als Lektorin, Ghostwriterin und als Trainerin.

Medien:

Karl-Heinz Smuda in der Hörfunksendung „SWR 1 Leute“ am 25. Juni 2013 und im SWR-Fernsehen „Leute Night“ am 21. Juli 2013 über Peggy Wolf und ihren Roman:

„Es gibt ein Buch ´Acker auf den Schuhen´. Das habe ich nicht geschrieben. Ein Buchmanuskript von Peggy Wolf. Da habe ich selbst viele Briefe an Verlage geschrieben – voller Leidenschaft. Manche kennen mich, und als Lektor kann ich dann sagen: Ich habe hier ein Werk, das sei das beste Werk von allen seit vielen, vielen Jahren. ´Acker auf den Schuhen´ … Ach, das hat etwas mit den Buddenbrooks zu tun, dem großen Sog. Und wenn ich daran denke, dann ergreift es mich. Und dann gab es viele Antworten von Verlagen. Meine Lektorenkollegen und ich sind sehr gespannt, ob das dort auch so geschehen wird, dass ´Acker auf den Schuhen´ der große Gesellschaftsroman ist, den ich nicht selbst geschrieben habe. Und ich bin so neidisch auf Peggy Wolf. Die liebe ich als Lektor. Ich liebe diese Autorin aus ganzem Herzen, weil alles das, was sie kann, in diesem Manuskript steckt.“

 

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