11.12.2018

Lektor. „Der Leuchtturm brennt schon!“ Bilderbuch nicht nur für Kinder. Beryth Hardt, Köln

 

Dies ist einer der schönsten Texte für Kinderbücher, die ich, hier gemeinsam mit Autorin Beryth Hardt, lektorieren durfte. Drei Tage lang haben wir uns in Köln an die Arbeit gemacht. Das ursprüngliche Anliegen war das Lektorat des Buchmanuskripts („Ich bin an deiner Seite. Verfahrensbeistand am Familiengericht“).

In Nordrhein-Westfalen erwuchs, weil Zeit blieb, die Idee, zusätzlich den Text für ein Kinderbuch zu schreiben. Während ihrer Arbeit als Autorin habe ich die geschätzte Beryth Hardt in der Domstadt beraten dürfen.

Beryth Hardt aus KölnUnsere Freude war groß. Deshalb spreche ich hier meine besondere Empfehlung aus. Nun werden ein Illustrator/eine Illustratorin und ein Verlag benötigt. Gute Verlage brauchen gute Themen und Texte. Das Manuskript ist ein heiteres nicht nur für kleine Jungs.

Darum geht es:  

„Das ist eine kleine Geschichte über zwei Jungen, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Timon ist ein ´echter norddeutscher Jung ´. Er mag die ´steife Brise´, den Deich mitsamt den Schafen und natürlich den Leuchtturm. Und, wenn er Plattdeutsch spricht, versteht keine Landratte wie er ein Wort.

Der kleine Sönke wiederum ist ein ´Kölsche Jung´. Er spuckt in den Rhein, singt Karnevalslieder nicht nur zur 5. Jahreszeit, während des Kölner Karnevals, und steigt regelmäßig zur Spitze des Kölner Doms hoch. Aber wenn er ´auf Kölsch schwadet´, sollte ein Norddeutscher im ebenfalls ganz genau zuhören. Die beiden Jungs wachsen in zwei unterschiedlichen Regionen mit zwei unterschiedlichen Kulturen auf, und doch verbindet beide nicht nur die Freundschaft, sondern auch die Freude an der jeweiligen Heimat.“

Textauszug:

„Der Zug kam in der Nachbarstadt am Bahnhof mit dem einen Gleis an. Es gibt nur einen Zug, der hin und her fährt. Da lohnt sich das zweite Gleis nicht. Der Friese denkt praktisch. In der Küche bekommt Sönke am Abend einen Pott Tee. Timons Vater gießt frische Milch aus dem eigenen Kuhstall in die Tasse. Sönke stellt fest: ´Ihr melkt? Die Milch kann man doch im Laden kaufen!´ Der Bauer schüttelt den Kopf und denkt: ´Stadtkinder, die keine Ahnung haben.´

Die Mutter schlägt danach vor, in die Koje zu gehen: ´Der Leuchtturm brennt schon!´ Ein Brand? Sönke bleibt cool: „Et kütt wie et kütt!“ ´Hier wecken dich morgen früh nicht die Hühner, sondern die Möwen. Du brauchst dir den Wecker nicht zu stellen.´ Schon um 7.30 Uhr geht Sönke hinaus und sieht den Bauern im Kuhstall, steigt danach auf den Deich und erschrickt. Und so schnell er kann, rast er zurück zum Bauern: „Das Meer ist weg! Das Meer ist weg!“ Der aber kennt diese seltsamen Landratten: „Wenn wir morgens nicht den Pfropfen aus dem Meer ziehen, können wir keine Fische fangen.´ Das leuchtet Sönke ein: ´Natürlich!´“

Die Autorin

Beryth Hardt lebt in der Domstadt Köln, wo sie mit Mann und zwei Söhnen meterhohe Sonnenblumen vor dem Haus wachsen lässt. Als Sozialwissenschaftlerin hat sie jahrelang als ausgebildete Redakteurin für Zeitungen, Zeitschriften und für das Fernsehen gearbeitet. Nach der Geburt des ersten Kindes ist sie auf die Profession des Verfahrensbeistandes aufmerksam geworden. Neben dem Kölner Ehrenamt und ihrer Freiwilligenarbeit in Indonesien, gemeinsam mit ihrem Mann und den beiden wilden Kindern an den Händen, hat sie als leidenschaftliche Rucksack-Weltenbummlerin die Erde noch nicht ganz umrundet, ist immer wieder mal dabei. Respektvoll, neutral und recherchefreudig erkundet sie als Verfahrensbeistand das Leben der jungen Erdenbewohner mit der persönlichen Erkenntnis: Es lohnt sich, sich für andere Kinder und Jugendliche und deren persönlichen Kindeswillen einzusetzen. Das Werk „Der Leuchtturm brennt schon!“ beweist, über welch reiche Empathie Beryth Hardt verfügt.

 

 

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