11.12.2019

Lektor. „Die Regenwurmgrippe“. Mediensatire von Claus Bredel-Charron, Berlin

 

Der ehemalige RIAS-Redakteur Claus Bredel-Charron hat eine Satire geschrieben. Es geht darum, wie ein Thema Panik und Unruhe schafft. Wer sonst kennst sich in der Medienwelt so gut aus wie der ehemals sehr prominente Moderator des Rundfunks im amerikanischen Sektors Berlins?

Das ist ein sehr empfehlenswertes Buch für die Leserinnen und Leser, die sich für die Abarten des Journalismus´ interessieren.

Inhalt

14 Tage, bevor der Reporter Philipp Rännil in Rente gehen soll, bittet ihn der Sender, den Kollegen Christoph Glaeser zu suchen. Er scheint verschollen zu sein.

Der Radioreporter Glaeser wurde in dieser Mediensatire zuletzt auf der Halbinsel Müchel gesehen, berichtete darüber, auf einem Hof tote Schafe gesehen zu haben und trug dazu bei, das Thema medial hochzupeitschen.

Um zu erfahren, ob es von dieser „Regenwurmgrippe“ wisse, hatte Glaeser zunächst nur den telefonischen Kontakt zu einem ehemaligen Radiokollegen im Landwirtschaftsministerium aufgenommen.

Das Thema und seine Karriere: der Klassiker

Die Mär von einer Infektionskrankheit breitete sich indessen nicht nur auf der Halbinsel aus.

Statt des Ministers, der einen Herzanfall erlitten hat, eilt der junge Staatssekretär Bertram Teichert herbei. Er wird am Flughafen sogleich von zahlreichen Journalisten belagert. Der Flughafen, was sowieso geplant war, wird geschlossen. Das müsse mit der Epidemie zu tun haben: Spekulationen folgten in diesem Buch wie in der Realität auf Spekulationen, obwohl einzig drei Schafe verdurstet sind.

Der Staatssekretär muss handeln, lässt den Bauernhof stilllegen. Das Ministerium verkündet auch noch, dass eine Seuche nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann und trägt zur zelebrierten Bestürzung bei.

Langsam lichtet sich aber, dass es keine „Die Regenwurmgrippe“ gibt, sondern einen Unfall, dem die Schafe zum Opfer gefallen waren. Trotzdem haben die Medien ihr Thema, als reiche ein Verdacht aus, um ihn zur Tatsache zu machen.

Der Autor:

Claus Bredel-Charron gehörte zu den bekannten Stimmen beim RIAS Berlin, der freien Stimme der freien Welt im geteilten Berlin. Sein Dasein als Redakteur bei Radio DDR endete abrupt.

Wolf Biermann wurde ausgebürgert, Claus Bredel-Charron verpflichtet, eine „Ergebenheitserklärung“ gegenüber dem DDR-Regime zu unterschreiben.

Es folgten die fristlose Kündigung wegen der Verweigerung, die Arbeitslosigkeit und die Aufgabe, Maschinist in einem Schwimmbad sein zu müssen.

Das DDR-System ließ den Autor 1980 unter Druck, die DDR zu verlassen, nach West-Berlin übersiedeln.

Neuanfang beim SFB, dem Sender Freies Berlin

Der Autor wurde Reporter beim Sender Freies Berlin (SFB), ab 1990 Festangestellter beim RIAS, der gemeinsam mit DS Kultur und dem Deutschlandfunk im Deutschlandradio aufging, das von ARD und ZDF getragen wird.

Geboren wurde Claus Bredel-Charron 1947 in Schwerin, befindet sich mittlerweile im Ruhestand. 1987 erstellte er ein Hörspiel für den Hessischen Rundfunk in Frankfurt/Main und ein Buch mit Kurzgeschichten, das 1999 in der Berliner Edition Goldbeck-Löwe erschienen ist.

Bezug:

Das E-Book ist u.a. bei Amazon erhältlich, umfasst 248 Seiten und kostet per Download 2,99 Euro.

Zum E-Book „Die Regenwurmgrippe“ von Claus Bredel-Charron